Erster Demorückblick

Am Samstag, den 08.09.2012 fand unter dem Motto ‚Gegen Sexismus und Verharmlosung von sexualisierter Gewalt! Für einen offenen Umgang mit Sexualität und Geschlecht!‘ unsere Demonstration durch die Hamburger Innenstadt statt. Rund 300 Demonstrant_innen versammelten sich anlässlich dessen zur Startkundgebung am Hachmannplatz (beim Hauptbahnhof). Nach dem Redebeitrag vom enter_the_gap!-Bündnis auf verschiedenen Sprachen (deutsch, englisch, spanisch und türkisch) ging es los: Angeführt von einem kraftvollen und lauten FLT*I*-Block verließ die Demonstration den Startkundgebungsort Richtung Innenstadt. Besonders der FLT*I*-Block zog hierbei durch lautstarke Parolen wie ‚alerta, alerta – antisexista!‘ große Aufmerksamkeit von Passant_innen auf sich: Inhalte wurden jedoch nicht nur durch Parolen, sondern auch durch viele Transparente wie ‚Für ein queeres Wunderland!‘ oder ‚Egal, wie viel Stoff ich trage – nein heißt nein!‘ und eine fahrende Ausstellung der Ergebnisse eines Workshops zu Schönheitsnormen aus der enter_the_gap!-Aktionswoche vermittelt.

Auf der Zwischenkundgebung am Gänsemarkt wurden weitere Redebeiträge vom Notruf für vergewaltigte Frauen und Mädchen e.V. und LesMigraS verlesen, ebenfalls Beiträge von zwischengeschlecht.org und einer Gruppe Cis-Männer, die sich kritisch mit Männlichkeit auseinandersetzen. Auf der weiteren Route entlang des Valentinskamps erwartete die Demoteilnehmer_innen noch eine Soli-Aktion: Von den Dächern des Gängeviertels wurde Solidarität mit Pussy Riot gezeigt – Konfetti flog, Rauch wurde gezündet und Personen mit bunten Hassis entrollten ein ‚Free Pussy Riot!‘-Transparent.
Entlang des ganzen Weges wurden Informationszettel über das Anliegen von enter_the_gap! an Passant_innen verteilt, die diese größtenteils mit großem Interesse entgegen nahmen und lasen.
Auf der weiteren Route über die Feldstraße in Richtung Sternschanze wurde ein Redebeitrag von sous la plage zum Thema ‚Antisemitismus und Geschlecht‘ gehalten.
An der S/U Bahnstation Sternschanze wurde die Demo nach knapp drei Stunden wie geplant an der S-Bahn Station Sternschanze beendet.

Wir freuen uns, dass eine linksradikale, queer-feministische Demonstration 300 Menschen auf die Straße mobilisieren kann. Teilnehmer_innen kamen dabei nicht nur aus Hamburg, sondern nahmen auch die Reise aus den umliegenden Bundesländern auf sich. Besonders gefreut haben wir uns über die Unterstützung von Bremer_innen, die sich nicht nur auf der Demo selbst, sondern auch im Vorfeld engagiert haben. Ebenfalls ein großer Dank an dieser Stelle an Hamburger Gruppen und Einzelpersonen, die sich engagiert haben, um die erste Reihe zu stellen und uns bei anderen organisatorischen Aufgaben – teilweise sehr spontan – zu unterstützen.
Im Gegensatz zum SlutWalk im letzten Jahr ist auf jeden Fall die deutlich geringere Teilnehmer_innenzahl auffällig. Dieses ist einerseits negativ zu bewerten, weil unser Anliegen damit deutlich weniger öffentliche Aufmerksamkeit erregte, andererseits allerdings mit positiven Aspekten verbunden. So war beispielsweise ein Problem des SlutWalks im letzten Jahr die enorm übergriffige Presse vor Ort, die in diesem Jahr ausblieb. Die deutlich geringere Teilnehmer_innenzahl im Vergleich zum SlutWalk zeigt uns weitergehend, dass es nach wie vor bitter nötig ist, unseren Protest öffentlich und laut zu zeigen: Das Aufgeben des (auf jeden Fall marketingwirksamen) Labels ‚SlutWalk‘ führte nicht nur zu weniger Presse, sondern auch unserem Eindruck nach zu weniger Interesse des linksradikalen und/oder queer-feministischen Spektrums.
Die Atmosphäre auf der Demonstration selbst haben wir als durchaus positiv erlebt. Durch vorhandene awareness-Teams, einen fahrenden safe space und eine Ordner_innen-Struktur, war es möglich, einen als unsicher kritisierten Raum (wie es der letztjährige SlutWalk z.B. durch übergriffige Presse war), sicherer für die Teilnehmer_innen zu gestalten. Durch eigene Fotograf_innen wurde die Demo auf eine angenehme Art dokumentiert. Für gute Stimmung sorgten weiterhin die DJanes,die während der kompletten Demonstation im Lauti auflegten. Auch an dieser Stelle ein großes Dankeschön! Ebenfalls möchten wir noch mal den Aktivist_innen im Gängeviertel und den Menschen, die auf der kompletten Route unsere Infozettel an Passant_innen, durch offene Autofenster und auch sonst an alle umstehenden Menschen verteilt haben, unseren Dank aussprechen.
Diese Auswertung kann erstmal nur einen Überblick über unsere und an uns herangetragene Eindrücke von der Demonstration wiedergeben, unsere Orga-Struktur, transportierte Inhalte, nicht-transportierte Inhalte und das Erreichen unseres Ziels von einem für alle Menschen gleichermaßen zugänglichen Bündnis werden wir noch einmal gesondert auswerten und auf unserem Blog veröffentlichen.

Redebeitrag von Sous la Plage

hier

Zeigt Solidarität und beteiligt euch an den Protesten!

Die Gruppe Zwischengeschlecht.org ruft für das kommende Wochenende zum Protest gegen Genitalverstümmlung bei intersexuell geborenen Kindern auf. Anlass ist der Kongress der Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ). Das Bündnis enter_the_gap und die AG Queer Studies schließen sich diesem Aufruf und der Forderung nach einem Verbot von kosmetischen Genitaloperationen an Kindern und Jugendlichen und „Menschenrechte auch für Zwitter!“ an.

Sa 15.09. 10-18h „DGKJ 2012“ Congress Center Hamburg CCH
Am Dammtor / Marseiller Str., 20355 Hamburg, vor dem Haupteingang
So 16.09. 11-15h Altonaer Kinderkrankenhaus AKK
Bleickenallee 38, 22763 Hamdem Haupteingang

Die Veranstaltung „Antisemitismus und Geschlecht“…

…findet morgen in der T-Stube an der Uni Hamburg im Pferdestall statt (Allende-Platz 1, 20146 Hamburg)

Der letzte in unserer Reihe…


Mehrfachpositionierungen im Kontext von rassistischen und sexistischen Strukturen

Samstag, 15. September 2012, 11-16 Uhr, im Curio Haus, Rothenbaumchaussee 15
Die Veranstaltung richtet sich nur an FLTI* of Color / Schwarze FLTI* / FLTI* mit Migrationsgeschichte.

Rassismus, (Hetero-)Sexismus und Transphobie sind in Deutschland gesellschaftliche ‚Normalität‘ und gehören zur Lebenswelt und Alltagserfahrung von FLTI* of Color / Schwarze FLTI* / FLTI* mit Migrationsgeschichte. Als gesellschaftliche Machtverhältnisse bewirken Rassismus und Sexismus Benachteiligung, Ausgrenzung und Gewalt. Sie bestimmen das Wissen und die Bilder über markierte Menschen und legen damit auch fest auf welche Weise wir uns selbst und einander wahrnehmen.
Sowohl in heteronormativ geprägten Gruppen als auch in von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft dominierten feministischen Zusammenhängen werden häufig die Thematisierung diese Mehrfachpositionierungen und Erfahrungswelten ausgeblendet oder reflexartig abgelehnt.

Vor diesem Hintergrund richtet sich dieser Workshop ausschließlich an Personen mit eigenen Rassismus- und Sexismuserfahrungen. D.h. an Menschen, die in Deutschland aufgrund ihrer vermeintlichen oder tatsächlichen Hautfarbe, ihrer Herkunft, ihrer ethnischen und/oder religiösen Zugehörigkeit oder ihrer Sprache mit Rassismus und aufgrund ihres Geschlechts und/oder sexuellen Orientierung mit (Hetero-)Sexismus und Transphobie konfrontiert sind.

Ziel des Workshops ist es, kollektiv einem Raum zu gestalten, in dem es möglich wird, die verschieden erlebten und erfahrenen (Mehrfach-) Diskriminierungen zur Sprache zu bringen.
Im Verständnis einer subjektorientierten politischen Bildungsarbeit werden wir, mit Lust und Bewegung, uns unser Wissen, unsere Potenziale und unsere Handlungsstrategien bewusst machen, im Gruppenprozess reflektieren und erweitern.
In diesem Sinne können Handlungsspielräume und Alternativen für individuelle und kollektive Politisierung und Stärkung sichtbar gemacht werden.

Leitung: Nissar Gardi (Karano, GEW)
Maximal 18 Teilnehmende möglich. Um Anmeldung unter Workshop-RS@gmx.de wird gebeten.
FLTI* steht für FrauenLesbenTransIntersex Personen
Der Zugang zum Raum ist barrierefrei.