Hallo,
wir sind ein linksradikaler Zusammenschluss von Cis-Männern aus Hamburg, der sich mit den
Themen Antisexismus und Männlichkeit auseinandersetzt. Wir möchten uns hiermit mit dem
enter_the_gap! Bündnis solidarisieren und bedanken uns, dass unserer Redebeitrag hier verlesen
wird. Wir freuen uns über die umfang- und perspektivenreiche Aktionswoche, Demonstration und
Kundgebung.
Das Leben in dieser Gesellschaft ist geprägt von Sexismen. Wir werden in einer durch
Zweigeschlechtlichkeit strukturierten Gesellschaft zu Männern oder Frauen gemacht. Wir lernen
uns entsprechend zu verhalten und in unsere Umwelt einzuordnen. Von Geburt an wird uns
eingetrichtert, wie wir zu sprechen haben, wie wir uns zu bewegen haben, wie zu kleiden und wen
zu begehren. Gleichzeitig werden uns bestimmte Rollenverständnisse vermittelt, Männer seien
stark, aktiv und rational. Frauen hingegen wären schwach, passiv und emotional. Wer nicht ins
heteronormative Raster passt, bekommt dies gewaltvoll zu spüren.
Auch linke und vermeintlich emanzipierte Kreise können sich von diesem Bild nicht freisprechen.
Dieses spiegelt sich zuhauf in der Zusammensetzung von linken Gruppen wider oder wie Rede- und
Aktionsanteile eingenommen werden. Ein antisexistisches Label allein genügt nicht. Vielmehr ist es
notwendig die eigene Praxis immer wieder antisexistisch zu reflektieren. Weiterhin gilt es aus
männlicher Sicht vor allem einen kritischen Blick auf sich selbst zu werfen und sich stets seine
gesellschaftliche Stellung bewusst zu machen.
Wir alle haben Sexismen verinnerlicht und reproduzieren diese auf unterschiedliche Arten. Sei es
durch eine Wahrnehmung, die andere Personen lediglich auf ihren Körper als Objekt reduzieren, die
Wahl unseres freundschaftlichen Umfeldes oder das Verhalten in Beziehungen. Unser Bild von
Geschlecht und Sexualität wirkt sich dabei immer wieder einengend und unterdrückend für uns
selbst und andere aus.
Unsere Gesellschaft ist männlich ausgerichtet. Dies bedeutet, dass Männer als Zentrum, Maßstab
und Norm verstanden werden. Diskurse werden aus einem männlichen Blickwinkel geführt und von
Männern dominiert. Ein Ergebnis davon ist beispielsweise, dass die Schuld an sexualisierter Gewalt
den Betroffenen zugeschrieben wird. Übergriffe, Grenzüberschreitungen und dominantes Verhalten
gehen jedoch primär von Männern aus. Dabei kommt es oft zu einer Verbrüderung von Männern.
Diese Männerkumpanei äußert sich zumeist in Belächeln, schlichter Ignoranz und Täterschutz.
Feministische Forderungen wie beispielsweise selbstbestimmte Sexualität und das Recht auf den
eigenen Körper werden dagegen ausgeblendet oder aus männlicher Sicht als prüde/„frigide“ oder
als Schritt zum Matriarchat verklärt.
Die eigentliche Auseinandersetzung mit Sexismus und der patriarchalen Gesellschaft wird fast
ausschließlich von FrauenLesbenTransInter* geleistet. Dabei äußern sich Männer zumeist nur in
abwertender Weise, sowohl zum Thema Antisexismus im Allgemeinen, als auch zu feministischen
Forderungen und Praxen. Daher ist es unser Anliegen sich mit dem Thema Sexismus aus einer
männlich sozialisierten, profeministischen Perspektive auseinander zu setzen. Gerade Männer
müssen sich ernsthaft mit diesen Themen befassen und sich kritisch mit ihrer eigenen Männlichkeit
beschäftigen, um diesen Strukturen entgegenzuwirken.
Ein alleiniges Engagement von FrauenLesbenTransInter* reicht nicht aus um
Herrschaftsverhältnisse aufzubrechen und eine geschlechtergerechtere Gesellschaft abseits von
Frauenfeindlichkeit und Heterosexismus zu ermöglichen.